ULRICH SOEDER

Eine der erfüllendsten Aufgaben ist für mich die Begleitung von individuellen und gemeinschaftlichen menschlichen Entwicklungsprozessen. Gelingt es, Frieden mit den eigenen Wurzeln zu schließen, dann steht der Entfaltung von Flügeln nichts im Wege. Verbinden wir uns darüber hinaus durch gute Gespräche mit anderen, dann können Zusammenarbeit, Kreativität und Innovation zusätzlich Fahrt aufnehmen und wesentliche Bewegungen in Gang setzen. Das ist in der bisherigen Rückschau das Zwischenfazit meines eigenen Entwicklungsweges.

1963 wurde ich in Freiburg im Breisgau geboren. Die Nähe zu Frankreich brachte es mit sich, dass ich ein Deutsch-Französisches Gymnasium besuchte und ein zweisprachiges Abitur ablegte. Danach war meine erste Studienwahl die Geophysik in Karlsruhe. Damit folgte ich dem Vorbild meiner Tante, die als Meteorologin bei der Bundeswehr arbeitete. Trotz eines sehr guten Vordiploms wechselte ich nach der Unterbrechung durch den Zivildienst zur Psychologie nach Heidelberg. Das Interesse an Menschen und ihrer Entwicklung schälte sich langsam heraus – der Ulrich bahnte sich sozusagen den Weg durch den Soeder hindurch. Neben dem Studium begann ich eine Ausbildung in Gesprächsführung und später in körperorientierter Psychotherapie (Hakomi), um die ausschließlich theoretische universitäre Ausbildung durch konkrete praktische Erfahrung zu ergänzen. Um mir das Studium zu finanzieren arbeitete ich in den Semesterferien im Deutschen Krebsforschungszentrum in der Pressestelle als Fotojournalist. Erfolgreiche Gesprächsführung zeigte sich dabei unmittelbar in ausdrucksstarken Portraits und Reportagen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss als Diplompsychologe siedelte ich nach Dresden um und sammelte ab 1996 Erfahrung in der psychologischen Forschung. Die Planung, Durchführung, Auswertung und Berichterstattung für mehrere komplexe Studien machten mich mit Stärken und Schwächen wissenschaftlicher Arbeit vertraut – und wie man ohne formellen Status größere Gruppen von Menschen koordiniert und führt. Eine Stärke wissenschaftlicher Arbeit liegt in der Verwendung präzise definierter Begriffe und der Genauigkeit der Arbeit. Eine Schwäche zeigt sich, wenn die präzisen Begriffe am Leben und Erleben vorbei gehen und das Wesentliche dadurch versäumen, dass als Realität nur das objektiv Messbare angesehen wird.

Diese Begrenzung wurde mir zu eng, und ich begann, mir in den Jahren ab 2002 ein neues und selbstständiges Betätigungsfeld aufzubauen: Beratung und Prozessbegleitung. Ich arbeitete zunächst in eigener Praxis mit Einzelpersonen und Paaren, denn ich hatte nach dem Diplom auch die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie erworben. Dabei war es mir wichtig, Menschen in ihrer Ganzheit zu würdigen. So nannte ich mein kleines Ein-Mann-Unternehmen „Integral Development“. Ich wollte Menschen in ihrer Fähigkeit zur Selbstführung stärken und dabei auf eine Balance zwischen Herausforderung und Unterstützung achten. Ein wichtiges Element ist bis heute die Kultivierung der Achtsamkeit: die Fähigkeit, sich auf sich selbst zu besinnen und das eigene Erleben zu erkunden.

Ich nahm in dieser Zeit das Fotografieren wieder auf und beschäftigte mich zunehmend mit abstrakter Naturfotografie. Ich konnte meine Bilder in zahlreichen Ausstellungen zeigen. Unter anderem hatte ich auf dem evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover die Themenhalle Spiritualität künstlerisch gestaltet.

Zunehmend interessierte ich mich dafür, wie man mit größeren Gruppen effektiv arbeitet. Ich hatte immer wieder beobachtet, dass erfolgreiche Veränderungen von Einzelnen nicht unbedingt freudig von ihrer Umgebung aufgenommen wurden. Kann man Systeme selbst für Veränderung gewinnen? Ich lernte, mit der World Café Methode wirkungsvolle Gespräche mit großen Gruppen (teilweise mehr als 100 Personen) zu führen und in kurzer Zeit sichtbare Ergebnisse zu erzielen. Gute Fragen führen zu guten Gesprächen – in der Vorbereitung kommt es daher wesentlich darauf an, kraftvolle Fragen zu entwickeln.

Von 2008 bis 2014 habe ich als freier Mitarbeiter europaweit für eine amerikanische Beratungsfirma mit großen internationalen Kunden gearbeitet, die sich mit der Gestaltung und Veränderung von Organisationskulturen beschäftigte. Ein wichtiger Teil der Arbeit bestand zunächst darin, in den Unternehmen eine gemeinsame Sprache zu etablieren, die es erlaubt, die gewünschten Veränderungen in der Art der Zusammenarbeit zu beschreiben. Erst dann können Veränderungen gemeinsamen reflektiert und bei Erfolg gefeiert werden. In dieser Arbeit ergänzten sich die Einzelarbeit (Führungskräftecoaching) und die Arbeit in größeren Gruppen (Führungskräfteentwicklung).

Von 2013 bis 2016 habe ich als Senior Consultant für eine deutsche Beratungsfirma gearbeitet und gemeinsam mit Kunden Maßnahmen zur Organisationsentwicklung konzipiert und diese in der Umsetzung begleitet.

2016 geriet ich eine heftige persönliche Krise. Die Kombination aus der Trennung von meiner Frau 2015 und dem damit verbundenen viel geringeren Kontakt zu meinen Kindern und der Stornierung eines großen Projektes durch meinen wichtigsten Auftraggeber hat mich sehr getroffen. Es kam zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und zog massive soziale Konsequenzen nach sich. In dieser Zeit habe ich Beratung und Prozessbegleitung von der anderen Seite erlebt, und von einigen dieser Interventionen habe ich mich nur langsam erholt.

Nach dieser persönlich schwierigen Zeit freue ich mich, durch die Anstellung bei Arnold BTC seit 2018 einen Rahmen zu haben, der es mir ermöglicht, meine Stärken und Kompetenzen im beruflichen Kontext erneut nutzen zu können.